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Inkontinenz bei Männern: Raus aus der Tabuzone

In Deutschland ist gut jeder zehnte Mann von Harninkontinenz betroffen. Aus Scham behalten viele die Erkrankung jedoch für sich. Dabei gibt es Behandlungen, die den Betroffenen das Leben deutlich erleichtern können.

Inkontinenz bei Männern

 

Wer redet schon gern darüber, wie oft er am Tag auf die Toilette muss, oder dass ihm das Pinkeln schwerfällt. Was mit dem stillen Örtchen zu tun hat, soll in der Regel auch still bleiben. Eine Erkrankung wie die Harninkontinenz ist daher nach wie vor ein Tabuthema besonders bei Männern. Dabei ist die Krankheit bei ihnen gar nicht so selten. Tatsächlich ist laut Angaben des Robert Koch Institutes (RKI) in Berlin gut jeder zehnte Mann in Deutschland von Inkontinenz betroffen. Bei über 40-Jährigen scheint es sogar jeder vierte zu sein. So das Ergebnis einer internationalen Studie des Herstellers TENA.

Die Ursachen für Harninkontinenz sind unterschiedlich. Da ist einmal das Alter. Denn ab dem 20. Lebensjahr nimmt unsere Muskelmasse tendenziell ab – und Menschen mit einer schwachen Beckenbodenmuskulatur haben ein erhöhtes Risiko, ungewollt Urin zu verlieren. Bei den meisten Männern vergrößert sich mit den Jahren zudem die Prostata. Die Folge: Je größer dieses normalerweise kastaniengroßes Organ wird, desto stärker drückt es auf die Blase. Auch Übergewicht, Nebenwirkungen einzelner Medikamente oder eine familiäre Veranlagung können bei Männern – wie auch bei Frauen – das Inkontinenzrisiko erhöhen. (Mehr zu den Ursachen erfahren Sie in unseren Beiträgen „Aponova-Lexikon: Harninkontinenz bei Frauen“ und „Aponova-Lexikon: Harninkontinenz bei Männern“.)

Inkontinenz beeinträchtigt häufig das Sexualleben

Im Gegensatz zum zwickenden Rücken oder zur Weitsichtigkeit ist Blasenschwäche für Betroffene jedoch oft auch psychisch belastend. Viele Männer mit Harninkontinenz schlafen daher nicht nur schlecht, die Tatsache die eigene Blase nicht mehr kontrollieren zu können, beeinträchtigt auch die Beziehung zur Partnerin oder zum Partner. Nahezu jeder Zweite fühlt sich durch die Inkontinenz auch in seinem Sexualleben eingeschränkt. So das Ergebnis einer von TENA beauftragten Studie des Europäischen Forums für Männergesundheit (European Men’s Health Forum, EMHF) aus dem Jahr 2010. Mit ihren 883 Befragten ist die Studie zwar nicht repräsentativ, dennoch vermittelt die Untersuchung einen guten Eindruck, wie es Männern mit Inkontinenz geht. Dazu scheinen Männer mit sogenannter Dranginkontinenz recht häufig Depressionen zu entwickeln, berichtet das RKI in einer Übersichtsarbeit. Ob dies damit zu tun hat, dass die Betroffenen sich aus Scham von Freunden und Familie zurückziehen oder ob ein Mangel des Botenstoffes Serotonin dahinter steckt, wird derzeit noch erforscht.

Umso wichtiger, dass Betroffene das Thema ansprechen. Denn Inkontinenz lässt sich behandeln – nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern. Häufig helfen ein einfaches Beckenbodentraining, eine Diät oder die Behandlung der Prostata. Selbst das Einsetzen eines künstlichen Schließmuskels ist möglich. Nützlich sind auch speziell für Männer entwickelte Hygieneartikel – sie erleichtern den Alltag und können die jeweilige Behandlung unterstützen. (Mehr zu den Ursachen erfahren Sie im „Aponova-Lexikon: Harninkontinenz bei Männern“.)

Mehr Aufklärung

Damit die Behandlungsmöglichkeiten auch genutzt werden, müssen also bestehende Tabus aufgebrochen werden. Der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS) hat deshalb eine Initiative für mehr Hygienebehälter in Herrentoiletten gestartet. Das klingt unspektakulär, doch anders als Frauen sind Männer nicht an die Verwendung spezieller Hygieneartikel gewöhnt. Die Behälter in den Toiletten dienen somit nicht nur der diskreten Entsorgung der Vorlagen, sondern auch der Aufklärung und Sensibilisierung.