Start Inkontinenzversorgung Magazin Kurz erklärt: Wie funktioniert das mit dem Pipi?

Kurz erklärt: Wie funktioniert das mit dem Pipi?

Wie oft wir am Tag auf die Toilette müssen, hängt nicht nur davon ab, wie viel wir trinken, sondern auch davon, wie viel Urin unsere Blase aufnehmen kann. Wir erklären Ihnen, wer unseren Harn produziert und wie er dann für gewöhnlich seinen Weg nach draußen findet.

Um Abbauprodukte des Stoffwechsels aus dem Körper zu schleusen, produzieren die Nieren Urin – oder besser gesagt: Primärharn. Bis zu 99 Prozent von ihm wird von den Nierenzellen aufgenommen. Was übrig bleibt (der sogenannte Sekundärharn) wird von den Nieren durch die Harnleiter in die Harnblase geleitet, dort gesammelt und dann über die Harnleiter in die Blase transportiert. Damit es auf dem Weg keinen Rückstau gibt, erfolgt der Urintransport in der Regel in wellenartigen Bewegungen.

Die Blase liegt wie der Mastdarm in unserer Beckenhöhle und wird nach unten vom Beckenboden begrenzt und gehalten. Ihre zwei Hauptfunktionen sind:

  • Funktion Nr. 1: Zwischenspeichern des Urins
  • Funktion Nr. 2: Abtransport des Urins – und zwar genau dann, wenn wir es wollen.

Sind diese Funktionen intakt, ist ein Mensch kontinent. Verliert er hingegen ungewollt Urin, sprechen Ärzte von Harninkontinenz.

Ist der Urin in der Blase angekommen, wird er dort erst einmal gespeichert – und je mehr Harn sich in der Blase sammelt, desto stärker dehnt sie sich aus. Diese Dehnung wird von den Nerven der Blasenwand registriert und dann von ihnen als Information an das Gehirn weitergegeben. Ist es dann Zeit zum Entleeren, zieht sich der Blasenmuskel zusammen, der Schließmuskel am Blasenboden entspannt sich und der Urin kann ungehemmt durch die Harnröhre „ins Freie“ fließen. Wurde der Harn erfolgreich aus der Blase abgeleitet, entspannt sich der Blasenmuskel wieder, der Schließmuskel spannt sich an und das Prozedere kann von vorn beginnen.

Der Unterschied zwischen Mann und Frau

Der weibliche und der männliche Harntrakt sind im Großen und Ganzen ähnlich aufgebaut. Es gibt jedoch drei wesentliche Unterschiede:

  1. Die Harnröhre

Diese führt bei Männern durch den Penis, wohingegen sie bei Frauen in der Scheide mündet. Die weibliche Harnröhre ist also kürzer als die des Mannes – ein Grund, warum Frauen tendenziell öfter an Harnwegsinfektionen erkranken. Denn potenziell krankmachende Keime, etwa aus dem Darmausgang, gelangen bei ihnen über den kurzen Weg leichter in die Blase.

  1. Die Prostata

Die sogenannte Vorsteherdrüse ist eine etwa kastaniengroße Drüse und gehört beim Mann zu den inneren Geschlechtsorganen. Sie liegt direkt unter der Harnblase und über der Beckenbodenmuskulatur. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Bildung eines Sekrets, das in Kombination mit den Samenzellen aus dem Hoden und der Flüssigkeit anderer Drüsen das Sperma ergibt. Es scheint zwar so, dass auch manche Frauen ein prostataähnliches Drüsengewebe haben. In der Regel handelt es sich bei der Prostata jedoch um ein spezifisch männliches Organ.

  1. Der Beckenboden

Der weibliche Beckenboden besitzt drei Öffnungen (für Harnröhre, Scheide und Enddarm), der des Mannes hingegen nur zwei – er hat schließlich keine Scheide. Aus diesem Grund ist die weibliche Blase eher anfällig für Inkontinenz.

 

Infografik über die Funktion von Niere und Blase