Start Ratgeber Ratgeber Stomaversorgung Leben mit Stoma: Tipps für den Alltag (FAQs)

Leben mit Stoma: Tipps für den Alltag (FAQs)

Verursacht ein Stoma Geräusche oder Gerüche? Worauf muss ich als Stomaträger beim Essen achten? Beeinträchtigt das Stoma meine Sexualität? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir in unseren FAQs.

Alltag mit Stoma

 

Brauche ich wegen eines Stomas spezielle Kleidung?

Eigentlich nicht. Gerade die einteilige Stomaversorgung ist in der Regel so flach, dass sie selbst unter enganliegender Kleidung oder einem Badeanzug kaum auffällt. Bei zweiteiligen Systemen können sich durch den Rastring (Druckknopfsystem) eventuell leichte Umrisse abzeichnen. Das Gleiche gilt, wenn sich der Stomabeutel im Laufe des Tages gefüllt hat.

Selbstbewusst durchs Leben mit Stoma

Sie müssen Ihr Stoma nicht unter der Kleidung verstecken. Wie es aussehen kann, sich als Stomaträgerin bauchfrei zu zeigen, zeigte beispielsweise die heute 27-jährige Bethany Townsend vor einigen Jahren am Strand. Auch das Model Blake Beckford geht mit seinem Stoma offen um.

Kann ich mit meinem Stoma wie gewohnt essen?

Was Menschen mit Stoma essen können, ist tatsächlich individuell sehr verschieden. Der Selbsthilfeverband ILCO rät daher von generellen Ernährungsempfehlungen ab. Was sich in Sachen Stoma und Ernährung jedoch sagen lässt:

  • Wurde Ihnen ein Colostoma gelegt, bedeutet dies: Je größer der Dickdarmabschnitt war, der entfernt wurde, desto häufiger und weicher (breiiger) ist in der Regel Ihr Stuhl. Beim Colostoma kommt es dazu etwas häufiger zu „Luftabgängen“. Wenn sie die Abgänge stören oder Ihnen peinlich sind, können Sie beispielsweise auf blähende Speisen wie Kohl, Lauch oder kohlensäurehaltige Getränke verzichten. Vollständig vermeiden lassen sich die Blähungen allerdings nicht.
  • Tragen Sie eine Ileostomie (Dünndarmausgang) wurde Ihnen ein großer Teil oder womöglich der gesamte Dickdarm entfernt. Das heißt, Ihr Stuhl kann weder eingedickt noch gespeichert werden. Häufige Darmentleerungen sind da ganz natürlich. Ebenso wie breiiger oder gar flüssiger Stuhl.
    Hinweis: Muss sich Ihr Darm oft entleeren, verlieren Sie vermutlich auch viel Wasser und Mineralstoffe. Den Verlust sollten Sie versuchen, über Ihre Ernährung auszugleichen. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, können Sie Ihre Blutwerte regelmäßig beim Arzt kontrollieren lassen.
  • Haben Sie einen künstlichen Blasenausgang (Urostoma), können Sie, vorausgesetzt Ihr Arzt hat Ihnen nichts anderes verordnet, im Grunde so essen wie vor der Operation.

Hinweis für alle Patienten mit künstlichem Darmausgang:

  • Essen und kauen Sie langsam. Denn je besser Sie Ihre Nahrung zerkleinern, desto weniger Luft nehmen Sie durch das Schlucken auf und desto leichter fällt es Ihrem Darm, das Gegessene zu verdauen.
  • Stört Sie beim Beutelwechsel der Geruch Ihres Stuhls, können Sie versuchen, auf geruchsbildende Lebensmittel zu verzichten. Dazu gehören beispielsweiseEier, Knoblauch, Kohl, Bohnen sowie Fleisch- und Fischgerichte.
  • Um die Verdauung bewusst in Schwung zu kriegen, kann auch Bewegung helfen.

Tipp: Haben Sie nach der Operation bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, sollten Sie diese nach einiger Zeit noch mal testen. Denn hat sich Ihr Verdauungsapparat erst mal an die künstliche Körperöffnung gewöhnt, kann es sein, dass Ihr Darm nun auch wieder mit den Nahrungsmitteln klar kommt.

Kann ich mit einem Stoma Medikamente einnehmen?

Bei der Einnahme von Medikamenten sollten Sie tatsächlich vorsichtig sein. Tragen Sie ein Ileostoma, kann der Darm die Inhaltstoffe einzelner Arzneimittel mitunter nur mangelhaft aufnehmen. Bei Frauen betrifft das beispielsweise die Inhaltsstoffe der Verhütungspille. Manche Tabletten verursachen auch Verdauungsbeschwerden. Die Einnahme von Antibiotika kann zu Durchfall führen, die von Schmerzmitteln zu Verstopfungen. Manche Medikamente können als Nebenwirkung auch die Sekrete Ihrer Hautdrüsen verändern. Mögliche Folge: Die Stomaversorgung haftet nicht mehr so gut und verrutscht. Die Einnahme von Medikamenten besprechen Sie daher am besten mit Ihrem Arzt.

Kann ich mit einem Stoma Sport machen?

Ja, natürlich! Sie können mit dem Stoma sogar schwimmen gehen! Die einzigen Sportarten, die Sie meiden sollten, sind solche, die das Stoma oder seinen Sitz gefährden. Dazu gehören vor allem Kampfsportarten wie Boxen, Judo oder Karate. Gewichtheben und Geräteturnen sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen: Diese Aktivitäten könnten nämlich einen zu starken Druck auf den Bauchraum ausüben, wodurch es zu Hernien kommen kann, also einen Bruch der Bauchwand. Um dem vorzubeugen, können individuell angepasste Bruch- oder Stomabandagen helfen. Bei Mannschaftssporten wie Fuß- oder Handball kann hingegen ein Schutzgürtel oder eine Schutzkappe helfen. Sie schützen Ihr Stoma.

Hinweis: Von sportlicher Aktivität direkt nach der Stomaoperation ist dringend abzuraten. In dieser Situation müssen die innerlichen Narben abheilen und der Körper braucht Erholung.

FAQs speziell für Menschen mit künstlichem Darmausgang

Riecht ein Stoma?

Das Stoma selbst riecht natürlich nicht. Damit keine unangenehmen Gerüche nach außen dringen, werden Stomabeutel aus einem geruchsfesten Material gefertigt. Damit Blähungen nicht unangenehm auffallen, besitzen die meisten Stomabeutel einen Aktivkohlefilter.

Auftreten können Gerüche allerdings, wenn der Filter kaputt oder verstopft ist – etwa durch faserige Nahrungsreste, die der Magen-Darm-Trakt nicht verdauen konnte. Riechen kann es auch, wenn die Haftplatte verrutscht und Stuhl austritt. Hier heißt es: Stomabeutel wechseln und die Platte wieder richtig anbringen.

Wen der Geruch des Stuhls beim Wechseln oder Entlüften stört, kann, bevor er den Stomabeutel anlegt, ein geruchsneutralisierendes Spray oder ein bisschen Deodorant in den Beutel sprühen. Mitunter kann es auch helfen, Lebensmittel mit starker Geruchsentwicklung zu meiden.

Macht ein Stoma Geräusche?

Das Stoma an sich macht keine Geräusche. Lauter kann es hingegen werden, wenn Sie Blähungen haben. Dies ist beispielsweise öfter der Fall, wenn die Stomaanlage noch relativ neu ist. Der Grund: Nach einer Stomaoperation fehlen Teile des Dick- und/oder Dünndarms und Ihr Magen-Darm-Trakt muss sich erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Bei den meisten Stomaträgern normalisieren sich anfängliche Verdauungsbeschwerden tatsächlich innerhalb von drei bis sechs Monaten ohne weiteres Zutun. Eine spezielle Stoma-Diät ist daher nicht erforderlich.

Wenn Sie die Geräusche Ihres Darmwinde stören, können Sie, sobald Sie spüren, dass eine Blähung im Kommen ist, sacht die Hand auf das Stoma legen. Damit lässt sich die Lautstärke meist verringern. Auch geräuschdämpfende Auflagen oder spezielle Abdeckschalen können durch Blähungen verursachte Geräusche dämpfen.

Hinweis: Oft sind die Geräusche gar nicht so laut, wie Sie denken – und selbst wenn: Blähungen hat jeder mal – auch ohne Stoma.

Darf ich mit dem Stoma wie gewohnt baden und duschen?

Ja. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie tragen den Versorgungsbeutel ganz normal oder Sie passen einen Zeitpunkt ab, zu dem Sie wenig Stuhlentleerung erwarten, und legen den Beutel ab. Wem beides nicht geheuer ist, kann sich zum Baden und Duschen auch schützende Hilfsmittel wie eine Stomakappe besorgen.

Beeinträchtigt das Stoma meine Sexualität?

In der Regel nicht. Es ist allerdings hilfreich, wenn Sie den Stomabeutel vor dem Geschlechtsverkehr entleeren. Bei Männern, bei denen durch die Operation Nerven im Enddarmbereich geschädigt wurden – etwa, weil dort ein Tumor oder die Prostata entfernt wurden –, kann es zur Beeinträchtigung der Erektionsfähigkeit kommen. Hier heißt es: abwarten. Denn oft bessert sich die Erektionsfähigkeit nach einigen Monaten von selbst wieder. Sollte dies nicht der Fall sein, können Medikamente oder spezielle Hilfsmittel wie eine Vakuumpumpe helfen.

Fühlen Sie sich mit Ihrem Stoma und/oder den durch die Operation entstandenen Narben nicht wohl, kann das die Libido ebenfalls hemmen. Hier kann ein Gespräch mit dem Partner beziehungsweise der Partnerin guttun. Auch der Austausch mit einem Psychologen oder anderen Betroffenen kann hilfreich sein.

Wenn Sie Angst haben, dass die Stomaversorgung beim Sex abgeht, können Sie sich beispielsweise einen Beutelüberzug aus weichem Stoff besorgen. Dieser stabilisiert das Stoma und macht den Hautkontakt angenehm – vor allem beim Kuscheln.

Quellen:

Deutsche ILCO, die Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs sowie deren Angehörigen: www.ilco.de

ONKO-Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de

Stoma-Welt.de – das Selbsthilfeportal für Stomaträger: www.stoma-welt.de