Start Ratgeber Wohnumfeldberatung Demenzsensibles Wohnen: Wie geht das?

Demenzsensibles Wohnen: Wie geht das?

Menschen mit Demenz haben häufig Probleme, sich im Raum zu orientieren. Manche entwickeln auch sogenannte Weglauftendenzen oder fürchten sich plötzlich vor dunklen Fußmatten. Wir geben Ihnen Tipps, wie Sie als Angehörige oder Pflegekraft Demenzkranken das Wohnen erleichtern können.

Nutzen Sie Farbe

  • Markieren Sie Gefahrenquellen mit gut sichtbarer Farbe – etwa indem Sie die Türschwellen rot lackieren, damit die Person mit Demenz nicht stolpert. Auch Möbelkanten und Wandvorsprünge lassen sich mit Farbe markieren.
  • Verwenden Sie Alltagsgegenstände in bunten und kontrastreichen Farben. So können Betroffene ihre Zahnbürste oder häufig genutztes Geschirr leichter erkennen. Gleiches gilt etwa für Toilettendeckel oder Lichtschalter.

Hinweis: Viele Menschen mit Demenz gehen nicht so gern über dunkelfarbige Flächen. Vor der Tür sollte daher eine helle Fußmatte liegen.

Machen Sie Licht

  • Achten Sie darauf, dass Wege, die von Demenzkranken häufig genutzt werden, ausreichend beleuchtet sind. Dies beugt Stürzen vor und hilft bei der Orientierung.
  • Bringen Sie eventuell einen Bewegungsmelderan und/oder statten Sie Flur sowie Badezimmer mit einem Nachtlicht aus.

Weglauftendenz bei Demenz: Was tun?

Manche Menschen mit Demenz haben eine Tendenz zum Weglaufen. Ist das der Fall, können Sie versuchen, die Ausgangstür unkenntlich zu machen – etwa mit einem Vorhang, der dieselbe Farbe wie die Wand hat. Durch eine Alarmtrittmatte oder ein Windspiel vor dem Ausgang bekommen Sie mit, wenn die Person mit Demenz das Haus dennoch verlässt.

Erleichtern Sie Demenzkranken den Alltag

  • Lassen Sie Türen wie die zur Toilette oder zur Küche offen. So finden die Betroffenen leichter ihren Weg.
  • Bewahren Sie alltägliche Gegenstände, die die Person mit Demenz häufig nutzt, am besten in offenen Schänken auf. Dinge wie Putzmittel, Medikamente oder wertvollen Schmuck können Sie hingegen unzugänglich verstauen.
  • Stellen Sie zur zeitlichen Orientierung eine gut lesbare Uhr auf.
  • Hängen Sie einen Kalender auf und notieren Sie darauf wichtige Ereignisse und Termine.
  • Nutzen Sie erklärende Aufkleber mit Symbolen und Texten. Zum Beispiel „Licht“ oder ein Piktogramm mit einem Mann oder einer Frau, die auf ein WC geht.
  • Schreiben Sie kleine Erinnerungshilfen wie „Kühlschrank zu?“ oder „Herd aus!“.
  • Kleben Sie einen Zettel mit den Telefonnummern von Angehörigen oder Nachbarn an den Kühlschrank.
  • Verlegt die demenzkranke Person häufig ihr Portemonnaie oder die Handtasche, kann ein sogenannter Bluetooth-Schlüsselfinder helfen. Der münzgroße Chip wird am Schlüsselbund oder an der Geldbörse befestigt – so lässt sich der verlorene Gegenstand über eine App auf dem Smartphone und mit Hilfe eines akustischen Alarms oder eines Lichtsignals orten.

Sorgen Sie für Sicherheit

  • Begrenzen Sie die Wassertemperatur so, dass sich die Person mit Demenz nicht verbrühen kann. Ebenso kann ein Thermostatventil an Heizungen nützlich sein. Damit können Sie die Raumtemperatur steuern.
  • Entfernen Sie gegebenenfalls scharfe Messer, Scheren und spitze Gegenstände aus der Wohnumgebung.
  • Befreien Sie die Wohnung von Stolperfallen wie lose herumliegenden Elektrokabeln oder Läufern und achten Sie darauf, dass die Hausschuhe des Betroffenen festsitzen und nicht rutschen.
  • Sorgen Sie dafür, dass Möbelstücke stabil stehen – insbesondere solche direkt neben dem Bett oder an häufig genutzten Wegen. So können sich die Betroffenen beim Gehen an ihnen festhalten.
  • Stellen Sie das Geschirr beim Essen auf Antirutsch-Unterlagen.
  • Legen Sie in die Dusche eine Anti-Rutschmatte und lassen Sie gegebenenfalls einen Haltegriff montieren – gerne wieder in farblichem Kontrast zur Wand beziehungsweise zum Boden.
  • Ist die Person mit Demenz nicht mehr so sicher auf den Beinen, können Hilfsmittel wie Rollatorenoder Hüftprotektoren helfen.

Steigern Sie das Wohlbefinden

  • Viele Menschen mit Demenz erinnern sich gerne an früher. Stellen Sie eine Kiste mit persönlichen Gegenständen und Erinnerungsstücken zusammen, in der die Betroffenen kramen können.
  • Legen Sie vielleicht ein neues Fotoalbum an. Bilder aus dem eigenen Leben regen zu Gesprächen an und können die Identität stärken.
  • Manche Demenzkranke erkennen sich nicht mehr im Spiegel und fürchten sich vor „dem Fremden“. In diesem Fall sollten Sie die Spiegel abnehmen.
  • Bei einem gesteigerten Bewegungsdrang kann ein Schaukelstuhl helfen – besonders, wenn er schön gemütlich ist und daneben die „Kramkiste“ steht.

 

Demenzsensibles Wohnen: Weiterführende Informationen

Wer mehr über das Thema wissen will, kann beispielsweise einen Blick auf die Website des Sozialverbands VdK oder das Onlinemagazin „Angehörige pflegen“ werfen. Nützlich ist auch die Checkliste „Wohnen mit Demenz“ des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlichten Serviceportals Wegweiser Demenz. Über das „Alzheimer-Telefon“ der Deutschen Alzheimer Gesellschaft können Sie sich auch persönlich beraten lassen.